Die Imkerei ist meiner Meinung nach ein ebenso sinnvolles wie spannendes Hobby! Wenn Sie überlegen, selbst Imker zu werden, sollten Sie sich jedoch vorher über einige Aspekte in Ruhe Gedanken machen. Denn die Imkerei erfordert neben umfassenden Fachkenntnissen auch gewisse Anfangsinvestitionen und – abhängig von der Zahl der Völker – etwas oder auch mehr Zeit. Aber wer Hobby mit Freizeitbeschäftigung gleich setzt, und dann überrascht ist, weil es Zeit kostet, sollte noch einmal in sich gehen. Zudem: Viele andere Hobbys kosten auch Zeit und Geld.
Bienengiftallergie ???
Bevor man sich diesem Thema dann intensiver widmet sollte man sich an einen Allergologen wenden, um testen zu lassen, ob – und ggf. in welchem Maße – eine Bienengiftallergie besteht. Das ist ein seeehr wichtiger Punkt, weil die Stiche von Bienen für Allergiker lebensbedrohlich sein können. Das hat nichts damit zu tun, dass meine Bienen aggressiv sind und mich attackieren. . Als Imker ist man aber nicht davor gefeit, gestochen zu werden. Das passiert z.B., wenn man Bienen aus Versehen drückt, sie sich im Garten in den Haaren verfangen oder man beim Anziehen des Stichschutzes unkonzentriert ist.
Wenn sich bei der Untersuchung herausstellt, dass eine Bienengiftallergie besteht, ist das für das Hobby Imkerei kein KO-Kriterium! Ich kenne in meinem Verein ( mich eingeschlossen ) sieben KollegInnen, die davon betroffen sind und trotzdem als Imker aktiv sind. Man muss sich dessen aber bewusst sein, Vorsorge treffen und muss damit und den Restrisiken umgehen.
Ich will ein paar Schritte beschreiben, die aus meiner Sicht zu begehen sind. Das sollen nur Hinweise eines Nicht-Mediziners sein, der als Bienengift-Allergiker Erfahrungen gemacht hat. Sie können/sollen eine persönliche Beratung durch einen Allergologen keinesfalls ersetzen.
Als erste Maßnahme ist es m.E. unabdingbar, eine Hyposensibilisierung zu machen. Das ist eine Therapie durch einen Allergologen, bei der man über einen Zeitraum von 2-3 Jahren ein als Allergen aufbereitetes Bienengift mit dem Ziel gespritzt bekommt, den Körper zu desensibilisieren.
Auch nach einer Hyposensibilisierung bleiben Restrisiken. Deshalb kommt es neben einem hochwertigen Stichschutz darauf an, Medikamente griffbereit zu haben, die man nach einem Stich sofort einsetzen kann. Das sind bei mir neben Antihistaminika, Celestamine und als Ultima Ratio ein Fastjekt, mit dem bei einem allergischen Schock ad hoc Adrenalin verabreicht werden kann. Wenn es zu einem allergischen Schock kommt muss der Einsatz des Fastjekt wirklich sofort/unverzüglich geschehen und parallel 112 gerufen werden. Auf 112 zu warten könnte zu lange dauern.
Was die Medikation angeht muss man sich auf jeden Fall fachmedizinisch beraten lassen. Das sollte in Verbindung mit der Hyposensibilisierung durch den Allergologen selbstverständlich sein. Zudem würde ich empfehlen die Familienmitglieder eines potenziellen Imkers ebenfalls testen zu lassen, damit auch sie keine bösen Überraschungen erleben. Hinzu kommt, dass das persönliche Umfeld informiert sein muss, wie sie sich zu verhalten haben, wenn ein Familienmitglied Symptome für einen allergischen Schock zeigt.
Alles in allem mag das sehr gefährlich klingen, zumal ein Restrisiko auf jeden Fall bleibt. Die Imker, die ich kenne, gehen aber sehr bewusst damit um. Sie sind keine Hasardeure. Deshalb würden sie – ebenso wenig wie ich – auf einen Stichschutz verzichten und gehen etwas konzentrierter bei der Betreuung Ihrer Bienen vor.
Aufbau von Kenntnissen
Für verantwortungsvolle Imker ist es meiner Meinung nach selbstverständlich, umfangreiche Kenntnisse zu erwerben und praktische Erfahrungen zu sammeln. Allein im Selbststudium geht das nach meiner festen Überzeugung nicht! Und es ist nahezu unmöglich im Internet den fachkundigen Rat zu finden den man braucht. Bienen haben es nicht verdient zu Versuchskaninchen zu mutieren!
Ich empfehle Kontakt zu einem Imkerverein zu suchen und zunächst ein wenig in die Imkerei hinein zu schnuppern. Wenn sich das Interesse verfestigt, kann man einem Imkerverein beitreten und in Wochenendkursen Grundkenntnisse zur Bienenhaltung und zur Honiggewinnung erwerben. Für ebenso wichtig halte ich den Erfahrungsaustausch mit erfahrenen Imkern, der bei den regelmäßigen Treffen stattfindet.
Investitionen
Zur Imkerei gehört die Investition in eine Bienenbehausung (Im Fachjargon: Beute), Rähmchen, Wachs, Werkzeug ( Stockmeißel, Handfeger, Smoker ) und Schutzkleidung ( Anzug, Handschuhe ). Da können schon einmal ein paar Hundert Euro zusammen kommen. Die Kosten steigen, wenn man keine Gelegenheit hat, im Imkerverein oder bei einem Imkerkollegen zu schleudern. Eine eigene Schleuder kostet mindestens 200,- Euro, zudem muss man für ein Umfeld sorgen, das den Anforderungen der Lebensmittelhygiene entspricht. Hinzu kommen noch Entdeckelungsgeschirr, Honigeimer, ein Abfüllkübel und verschieden andere Utensilien. Also billig ist der Einstieg in die Imkerei nicht, allerdings gibt aber auch Hobbys die deutlich kostenintensiver sind. Zudem kann man durch den Honigverkauf Einnahmen erzielen, die zumindest auf mittlere Sicht für einen Ausgleich sorgen.
Versicherungsschutz
Auch wenn die Imkerei ein tolles Hobby ist, bleibt es in gewisser Weise auch eine gefahrgeneigte Tätigkeit. Honigbienen sind grundsätzlich nicht aggressiv, gleichwohl haben sie bei uns immer noch einen Stachel, den sie gelegentlich zur Verteidigung ihres Volkes einsetzen. Daraus resultieren Risiken auch für die Imkerei. Daher ist es sinnvoll, sich mit dem Thema Versicherungsschutz zu befassen. In den Blick zu nehmen ist dabei der Schutz gegen Haftpflichtrisiken, Rechtsschutzfragen und auch der Diebstahlschutz. Für eine Grundabsicherung wird regelmäßig über die Vereinsmitgliedschaft gesorgt. Die Versicherungsprämien sind überschaubar und werden mit den Mitgliedsbeiträgen eingezogen. Ergänzend dazu kann auch eine Imker-Zusatzversicherung sinnvoll sein, wenn sich z.B. die Bienen nicht im Deckungsbereich der Hausratversicherung befinden. Hier habe ich mit der Firma Gaede & Glauerdt, Assecuradeur GmbH & Co. KG, Herrengraben 3, 20459 Hamburg, gute Erfahrungen gemacht. Die Jahresgebühren sind (abhängig von den Deckungssummen) mit mind. 50 Euro überschaubar.
Zeitbedarf
Der Zeitbedarf für die Imkerei wird von mehreren Faktoren beeinflusst und ist nur schwer abzuschätzen. Von entscheidender Bedeutung sind die Zahl der Völker, die Entfernung zum Standort der Bienen, das Maß an Neugier und saisonale Schwankungen. Während der Schwarmzeit im Frühjahr sind die Beuten mind. alle 7 Tage durchzusehen. Das kann man im Schnelldurchgang in 5-10 Minuten je Volk schaffen, bei Jungimkern oder bei einer größeren Neugier kann es aber auch deutlich länger dauern. Saisonal gibt es Stoßzeiten z.B. in der Schwarmzeit, zur Honigernte oder wenn die Völker gegen die Varoa zu behandeln oder einzufüttern sind. Auf jeden Fall sollte man sich darüber klar sein, dass die Imkerei bei der Urlaubsplanung für den Frühling und den Sommer zu berücksichtigen ist.
Kraftbedarf
Zur Imkerei braucht man schon eine gute Konstitution und auch Kraft. Bienenbeuten sind zu bewegen, gerade Honigräume können sehr schwer werden, 20 bis 30 kg können es schon sein. Diese sind in der Schwarmzeit mindestens alle 7 Tage abzunehmen, um die Brutwaben kontrollieren zu können. Massive Rückenprobleme wie z.B. ein Bandscheibenvorfall, sind dafür keine guten Voraussetzungen. Auf jeden Fall sollte man sich darüber klar sein und erforderlichenfalls tatkräftige Unterstützung suchen und/oder sich geeigneter Techniken bedienen. Ich selbst werde meine Honigräume künftig nur noch mit kompatiblen Halbzargen bestücken, die statt für 11 Rähmchen nur noch für 2×5 Rähmchen Platz bieten. Dabei habe ich mich für die vertikal geteilte Variante entschieden, weil ich so mit einem einheitlichen Rähmchenmaß arbeiten kann.

