(Fress-) Feinde der Honigbienen

Abgesehen von Krankheiten und Seuchen gibt es im Tierreich verschiedene Arten, die den Honigbienen als Fressfeinde Schaden zufügen können.

Waschbären und Marderhunde mögen Honig und sind in der Lage mit ihren scharfen Krallen Bienenbeuten aufzubrechen. Mäuse schätzen Bienenbeuten als Winterlager, was der Imker aber durch eine Verengung der Fluglöcher zu verhindern sucht.

Bei den Vögeln sind Grünspechte zu nennen, die in der Lage sind mit ihrem Schnabel Löcher in die Bienenbeuten zu hacken. Gerade in längeren Frostperioden besteht diese Gefahr, hier versucht der Imker mit Netzen vorzubeugen.

Von den Insekten sind in erster Linie die entfernten Verwandten der Honigbiene, die Hornissen und Wespen zu nennen. Sie schätzen es sehr,  sich ab und zu eine Honigbiene zu schnappen. Intakte Völker können dies aber verkraften.

Insgesamt gesehen hält sich die Gefahr durch Fressfeine bei uns in Grenzen. Wie sich das weiter entwickeln wird ist allerdings schwer zu sagen. Ich denke zum Beispiel an die asiatische Hornisse, die sich zunehmend in Europa breit macht.

Als Hobbyimker befasse ich mich schon viele Jahre mit den Gefahren, die von der Asiatischen Hornisse ( Vespa Velutina) ausgehen. Sie ist über Süd- und Südwesteuropa kommend über Frankreich inzwischen auch in Deutschland angekommen, auch in Niedersachsen und der Region Hannover. Die von ihr ausgehenden Risken resultieren kurz gesagt daraus, dass sie keine natürlichen Feinde hat, sehr gefräßig ist und sich rasant vermehrt und ausbreitet. Insbesondere für die Versorgung ihrer Brut benötigt ein Volk pro Tag ( ! ) ca. 500 Gramm Insekten und Spinnen, u.a. auch Honigbienen. Diese Verluste bedrohen nicht nur die Artenvielfalt der Insekten und Spinnen, sie haben auch unmittelbar Auswirkungen auf die hiesige Vogelwelt.

Seitdem die asiatische Hornisse als etabliert gilt, hat sich der Staat aus der Bekämpfung dieser invasiven Art weitgehend zurückgezogen. Falls ein Nest gefunden wird sollen die unteren Naturschutzbehörden entscheiden, ob, wie und durch wen die Nester entfernt werden sollen. Ansprechstelle für Niedersachsen ist zudem der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Auch wenn die Asiatische Hornisse bei uns erst vereinzelt in Erscheinung getreten ist überrascht es mich, dass auf den Internetseiten von beiden Stellen die Asiatische Hornisse gar nicht auftaucht. Ferner wurde in Norddeutschland das Norddeutsche Monitoring zur Asiatischen Hornisse „Ahlert-Nord“ etabliert. Meldungen können hier online unter www.AHlert-nord.de erfolgen. Allerdings ist diese Möglichkeit selbst bei Imkern – geschweige denn bei der breiten Öffentlichkeit – weitgehend unbekannt.

Wenn man die Bestäubungsleistung der Honigbienen und die Artenvielfalt der hiesigen Insekten- und Vogelwelt in den Blick nimmt, ergibt sich ein gesamtgesellschaftliches Interesse besonderer Art und eine Gesamtverantwortung des Staates. Ein Blick auf die aktuellen Übersichtskarten mit den Fundorten von Nestern zeigt das – nicht zuletzt auch in ihrer Entwicklung – sehr eindrücklich, wobei wir noch nicht einmal Verhältnisse wie in Frankreich haben. Wie ernst die Entwicklung ist zeigt auch die Entscheidung der Landesregierung in BW, Mittel für die Beseitigung von 500 Nestern der Asiatischen Hornisse bereitzustellen ( s. Anhang ). Das hört sich viel an, wenn man allerdings von über 2000 gemeldeten Nestern ausgeht scheint mir der Ansatz noch nicht überzeugend. Und ich mag mir schon gar nicht vorstellen, dass wir – wie in manchen Regionen in Frankreich – 15 Nester pro km² hätten. Wenn von 15 Nestern am Tag jeweils 500 g – also insgesamt täglich 7,5 kg Insekten vertilgt werden, kann man sich ausmalen, wie sich das auf die Bio-Diversität und die Vogelwelt auswirkt. Und bei durchschnittlich 350 Jungköniginnen pro Nest ist es kein Wunder, dass sie sich so rasant ausbreitet.

M.E. muss die Bekämpfung der asiatischen Hornisse auf eine andere Ebene gehoben werden!

Es braucht eine neue und vor allem auch umfassende und stringente Strategie, mit der klare Zuständigkeiten geregelt werden. Dies wird nach meiner festen Überzeugung nur gelingen, wenn die Landesregierungen bei der Erarbeitung eines Maßnahmenplans die Federführung übernehmen.

Wichtig wären dabei mindestens zwei Aspekte.

  1. Es ist m.E. erforderlich die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und die Bevölkerung zu sensibilisieren und – wie in Frankreich geschehen – dafür zu gewinnen nach Nestern Ausschau zu halten und diese dann auch zu melden.
  2. Ist es wichtig, dass die Bekämpfung der Hornissen, d.h. die Beseitigung der Nester routinemäßig von staatlichen Institutionen übernommen wird. Die unteren Naturschutzbehörden müssen m.E. wissen an wen sie sich – am besten im Wege der Amtshilfe – wenden können. Dabei kann der Staat auf Strukturen zugreifen, die bereits existieren und mit der Gefahrenabwehr vertraut sind. Ich denke dabei daran Feuerwehren in die Verantwortung zu nehmen. Sie sind flächendeckend da, erfahren in der Gefahrenabwehr, haben eine gute technische Ausstattung ( z.B. Drehleitern ), keine Höhenangst, sind nervenstark ( bei der Beseitigung der Nester zeigen die asiatischen Hornissen eine Aggressivität besonderer Art ! ) und können die Bekämpfungsmaßnahmen in ihre Bereitschaftsdienste integrieren. Im Gegensatz zu einem Bienenschwarm, der innerhalb kurzer Zeit weiterzieht, hat es mit der Beseitigung der Nester ein paar Tage Zeit und es wäre auch kein Problem, wenn die Beseitigung wegen akuter Notlagen ausgesetzt oder unterbrochen werden muss. Es ist also nicht so, dass die Einschaltung der Feuerwehren zu Lasten ihrer Kernaufgaben ginge und zusätzliche personelle Ressourcen aufgebaut werden müssten. Die Feuerwehren müssten natürlich geschult und mit entsprechenden Schutzanzügen ( die normalen Schutzanzüge der Imkerschaft reichen nicht ) und Gerätschaften zur Vernichtung der Nester ausgestattet werden. Die dafür anfallenden Kosten wären aber sehr überschaubar, zumal sie – unabhängig von Zuständigkeiten – ohnehin anfallen würden.

Fazit: Die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse sollte mit hoher Priorität in Angriff genommen werden. Mit den Feuerwehren haben wir in Deutschland Strukturen, die flächendeckend und umfassend eine stringente Beseitigung der Nester leisten können.  Klar ist, wenn zeitnah keine klaren Verantwortlichkeiten geschaffen werden, kommt es zu einer ernsten und irreparablen Bedrohung für unsere Bio-Diversität.

Aber auch für Menschen sind sie nicht ungefährlich. Sie sind leicht reizbar und dann auch aggressiv! Das kann sie schon bei Gartenarbeiten als  gefährlich erweisen, wenn man an Bäumen oder Hecken arbeitet, die von den Hornissen als Heimstätte ausgesucht wurden. Vorsicht ist also immer geboten, man sollte Bäume und Hecken immer inspizieren, bevor man zu Werke geht!

Derzeit sind alle aufgerufen darauf zu achten, ob sich irgendwo Nester befinden, damit diese dann von Spezialisten mit entsprechender Schutzausrüstung ( Nicht einmal der normale Stichschutz für Imker reicht bei einer Stachellänge von ca. 6mm aus! ) vernichtet werden können. Das ist besonders wichtig, weil von jedem Nest ca. 30 Ableger gezogen werden, die dann für eine rasante Verbreitung sorgen!